Heute vor 33 Jahren starb am Bahnhof Leipzig-Leutzsch Mike Polley, Hooligan des FC Berlin (zu DDR-Zeiten und heute wieder BFC Dynamo), durch eine Polizeikugel. Er war bis heute das letzte Todesopfer durch direkte physische Gewalt im deutschen Fußball im nĂ€heren Umfeld eines Stadions. Wenn ich das so explizit ausdrĂŒcke, dann deshalb, weil es auch spĂ€ter noch mindestens einen weiteren Toten gab, nur eben nicht durch direkte physische Gewalt: 1991 jagten Union Berlin- Hools einen Stahl Brandenburg-Fan auf eine vielbefahrene Straße, wo dieser von einem Auto erfasst wurde und starb.

Schon im Vorfeld des Spiels FC Sachsen Leipzig-FC Berlin war absehbar, dass es an diesem Tag „knallen“ wĂŒrde.
Die Polizei plante daher, mit 6 Hundertschaften das Spiel abzusichern, doch in den chaotischen Tagen der Wendezeit hatten viele Polzisten gekĂŒndigt und so war das Personal rar. Letztlich waren es deswegen nur etwas mehr als 200 Polizisten, die zum Einsatz kamen.

Schon mittags gab es bei der Ankunft der Berliner kleinere ScharmĂŒtzel am Hauptbahnhof, doch zum „Showdown“ kam es erst in Leutzsch. Ein paar BFCer waren bereits im GĂ€steblock, als plötzlich und fĂŒr die Polizei ĂŒberraschend mehrere hundert Berliner vom nahegelegenen Bahnhof Leipzig-Leutzsch zum Stadion strömten. Die ĂŒberforderte Polizei wusste kaum, wie sie reagieren sollte und drĂ€ngte die BFCer unter Einsatz von KnĂŒppeln und Reizgas Richtung Bahnhof zurĂŒck. Es folgten grĂ¶ĂŸere Ausschreitungen zwischen Berlinern und Polizei, bei denen von Seiten der BFCer laut Polizei-Aussagen massiv Steine aus kurzer Entfernung geworfen worden sein sollen. Irgendwann sah sich der Einsatzleiter so in der BedrĂ€ngnis, dass er die Order gab, scharf zu schießen.

Im anschließenden Kugelhagel starb der nur 18jĂ€hrige Mike Polley, 3 weitere Berliner wurden durch SchĂŒsse schwer verletzt.

Was bis heute vielen BFCern ganz bitter aufstĂ¶ĂŸt: die AufklĂ€rung der VorfĂ€lle wurde seitens der Behörden nie wirklich ernsthaft betrieben – die UmstĂ€nde des Todes Polleys wurden nie lĂŒckenlos geklĂ€rt. Augenzeugen von damals berichteten, dass auf die Berliner geschossen wurde, als sie vor der Polizei flĂŒchteten, Polley wurde auch durch einen Schuss in den RĂŒcken getötet. Welcher Polizist den tödlichen Schuss abgab, ist bis heute ungeklĂ€rt. Die Darstellung der Polizei war natĂŒrlich eine gĂ€nzlich andere.

Was jedoch klar ist: es starb ein nur 18jĂ€hriger Mensch, der zum Fußball wollte. Möge so etwas nie wieder passieren!

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